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An die Medien

 

 

                                                                                              Müllheim, den 1.07.2004

 

Pressemitteilung

 

Aufbauhelfer oder Besatzungstruppen?

Deutsch-französische Brigade läuft Gefahr zum Handlanger für Folterknechte zu werden.

 

Der Einsatz von Soldaten der deutsch-französischen Brigade aus Müllheim in Afghanistan konfrontiere auch die Müllheimer Bevölkerung mit der Frage nach dem Sinn des militärischen Engagements am Hindukusch und nach den Aufgaben die die ISAF-Truppen bewältigen sollen, so die Müllheimer Grünen. Der Militäreinsatz im Afghanistan entpuppe sich zunehmend zu einem Abenteuer mit fragwürdigem Ausgang. Noch deutlicher als im Irak zeige sich in Afghanistan, dass Freiheit und Demokratie nicht mit Gewalt und durch militärische Interventionen durchgesetzt werden könnten. Demokratie müsse in den Köpfen entstehen und könne nicht einfach verordnet werden.

 

Der Auftrag der Soldaten ist es, die afghanischen Behörden bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Afghanistan zu unterstützen, damit die afghanischen Behörden wie auch das Personal der Vereinten Nationen und das sonstige internationale Zivilpersonal in einem sicheren Umfeld tätig sein können. So ist es auf der Webseite der Deutsch-Französischen Brigade zu lesen. Zu den Aufgaben gehöre es auch, Verdächtige fest zu nehmen und diese dann an andere Stellen zu übergeben, so die BZ vom 13. Mai. Damit laufen die Soldaten aber Gefahr zu Handlangern von Folterknechten zu werden. Denn eine menschenwürdige Behandlung der Festgenommenen könne nach der Übergabe weder bei den Besatzungstruppen noch bei der einheimischen Polizei sichergestellt werden. Afghanistan sei von rechtsstaatlichen Strukturen noch weit entfernt. Der Aufbau von Polizei und Justiz sei eine wichtige Aufgabe. Doch sei es zweifelhaft, ob Militärische Verbände zum Aufbau rechtsstaatlicher Institutionen in der Lage seien. Die Aufgabenbereiche von Polizei und Militär seien doch sehr unterschiedlich und müssten in einem Rechtsstaat streng voneinander getrennt sein.

 

Die Berichte über Folterungen und Menschenrechtsverletzungen durch amerikanische Truppen und Geheimdienste haben Empörung und Abscheu ausgelöst. Leider müsse aber davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem was aus dem Irak ans Licht der Öffentlichkeit gelangt sei, nur um die Spitze des Eisbergs handle. Über das Vorgehen der Besatzungstruppen in Afghanistan sei so gut wie nichts bekannt. Auch hätten Regierungsstellen sich bis jetzt geweigert über die Aufgaben der bis vor einigen Monaten in Afghanistan stationierten Krisenspezialkräfte Auskunft zu geben. Nach den wenigen Berichten, die in der Vergangenheit durch die Presse gegangen sind, müsse aber davon ausgegangen werden, dass das Problem der Menschenrechtsverletzungen durch die Besatzungstruppen in Afghanistan noch größer sei als im Irak. Vor allem fehle dort jegliche Kontrolle durch eine freie Presse und durch die Öffentlichkeit.

 

Unter diesen Voraussetzungen werde der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan immer fragwürdiger.  Die dortige Bevölkerung brauche Frieden und Freiheit und Unterstützung beim Aufbau des zerstörten Landes und eines korruptionsfreien Sicherheitsapparates, doch hätten sich die „Befreier“ als schlechte Vorbilder entpuppt. Und dass die deutsche Freiheit am Hindukusch verteidigt werden müsse, glaube sowieso keiner mehr. Unter diesen Umständen dränge sich die Frage auf, ob es den Soldaten überhaupt noch zugemutet werden könne, in Afghanistan Dienst zu tun.