Ortsverband Müllheim-Neuenburg und Umgebung
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Müllheim, den
25. März 2004
Pressemitteilung
Rauchwolke
giftiger als angenommen
Brand bei
AC Folien wirft Fragen auf
„Der Brand
bei AC Folien war nicht so harmlos wie von den Behörden dargestellt“. Zu diesem
Schluss kommen die Müllheimer
Es zeige
sich immer deutlicher, dass Müllheim knapp an einer Katastrophe
vorbeigeschrammt war. Es sei dem Einsatz der Feuerwehren und glücklichen
Umständen zu verdanken gewesen, dass der Brand nicht auf die Silos mit
PVC-Granulat übergegriffen hätte. Auch hätte die Feuerwehr sehr umsichtig
reagiert und entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen. Im
Widerspruch dazu habe aber die Meldung gestanden, dass von den Messzügen der Feuerwehr
keine Schadstoffe gemessen worden seien. Fragwürdig sei, warum erst dann Fachleute
hinzugezogen wurden, als die Forschungsstelle für Brandschutz, der UNI
Karlsruhe sich aufgrund von Radiomeldungen selbst angeboten hätte, Messungen
vor Ort vorzunehmen. Da offensichtlich die Messausrüstungen der Feuerwehren nicht
ausgereicht hätten, könne jetzt nur über die Konzentration der Schadstoffe in
der großen Rauchwolke spekuliert werden. Tatsache sei, dass von der
Forschungsstelle für Brandschutz, zu einem Zeitpunkt als das Feuer bereits
unter Kontrolle war, außerhalb des Gebäudes u. a. Chlorwasserstoff und Phosgen
gemessen und auch noch nach mehreren Stunden eine Reizung der Atemwege
festgestellt worden sei. Phosgen ist ein hochgiftiges Gas. Gemessen worden sind
laut Bericht 0,5 ppm. Der MAK-Wert für Phosgen liegt bei 0,02 ppm. Für die
hochgiftigen Furane und Dioxine lägen aber immer noch keine Messergebnisse vor.
Das Landratsamt gehe lediglich davon aus, dass diese Stoffe bei dem Brand
entstanden sind.
Dabei sei
seit langem bekannt, welche Gefahren im Brandfalle von PVC-verarbeitenden
Betrieben ausgehen würden. Deshalb sei es unbegreiflich, dass die Bevölkerung
so lange im Unklaren gelassen wurde und erst nach zwei Tagen überhaupt bekannt
geworden sei, dass PVC gebrannt hatte. Noch unbegreiflicher sei, dass nicht gleich
ein Institut hinzugezogen worden sei, das zuverlässige Schadstoffmessungen
hätte machen können.
Die
betreffenden Stellen und Gremien müssten sich nun dringend damit beschäftigen,
wie eine solche Katastrophe in Zukunft zu verhindern sei. So dränge sich
beispielsweise die Frage auf, ob die Brandschutzauflagen in der Firma selbst
ausreichend und die Einsatzpläne für die Feuerwehr angemessen seien. Ebenso
müsse die Öffentlichkeit über die
Ergebnisse dieser Bemühungen ausführlich informiert werden.
Die Antwort
des Landratsamtes:
Das
Landratsamt bestätigte in seinem Antwortschreiben, dass PV-Folien und –Pulver,
sowie verschiedene Zusatzstoffe vom Brand betroffen gewesen seien. Es sei davon
auszugehen, dass bei dem Brand Schadstoffe wie: Methan, Nitrosegase,
Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Chlorwasserstoff, polycyclische aromatische
Kohlenwasserstoffe, Dioxine und Furane entstanden seien. Das Amt für
Brandschutztechnik an der UNI Karlsruhe hätte während des Nachlöschens Schadstoffmessungen
im Brandrauch vorgenommen.
Aufgrund
ihrer Flüchtigkeit würden diese jedoch nicht abgelagert, so dass nicht mit
verzögerten Wirkungen oder chronischen Belastungen gerechnet werden müsse.
Dioxine und Furane hätten eine starke adsorptive Bindung an Ruß. Deshalb würden
sie vor allem ein Problem bei den Brandrückständen darstellen. Gebunden an Rußpartikel und über die Rauchwolke verbreitet, würden aber
erfahrungsgemäß die Konzentrationen durch Verdünnung mit der Luft rasch absinken,
so dass diese zu keinem messbaren Eintrag im Boden führen würden. Es seien
jedoch vorsorglich Boden- und Pflanzenproben genommen worden, deren Ergebnisse
aber noch nicht vorlägen.
Wie dem
Bericht der Forschungsstelle für Brandschutztechnik zu entnehmen ist, hatte
diese von sich aus angefragt ob Schadstoffmessungen erwünscht seien und dann
einen Messtrupp nach Müllheim geschickt. Bei dessen Ankunft um 11.45 Uhr sei
der Brand bereits unter Kontrolle bzw. bis auf einige Glutnester gelöscht
gewesen. Sowohl in dem Gebäude als auch außerhalb des Gebäudes in ca. 100 m
Entfernung wurden u. Kohlenmonoxid, Chlorwasserstoff (HCL) und Phosgen
gemessen. Selbst in 100 m Entfernung vom Gebäude hätten die dünnen Rauchwolken
noch die Atmwege gereizt und Atembeschwerden verursacht. Vergleiche man die
dünnen Wolken mit den Rauchwolken, die auf Photos zu sehen seien, dann müsse gefragt werden, ob am Morgen nicht
doch höhere Konzentrationen von Schadstoffen in der großen Rauchwolke vorhanden
gewesen seien. Das Institut wirft die Frage auf, ob die Feuerwehr evtl. nicht
die richtige Ausrüstung gehabt habe, um die Schadstoffkonzentrationen zu messen?