In Briefen an die Bürgermeister der Gemeinden Auggen, Badenweiler, Buggingen, Müllheim, Neuenburg und Sulzburg, informierten die Grünen die Gemeinden über den Austausch der überlagerten Jodtabletten und machten die Notwendigkeit einer Verteilung an die Haushalte deutlich.
Ortsverband Müllheim-Neuenburg und Umgebung
Jodtabletten für die Müllheimer Bevölkerung
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
Müllheim liegt ca. 10 km vom französischen Atomkraftwerk Fessenheim entfernt und befindet sich somit im Falle eines schweren Unfalls im unmittelbaren Gefahrenbereich.
Wie kürzlich bekannt wurde, sollen nun endlich die überlagerten Jodtabletten, die bisher in öffentlichen Gebäuden und größeren Betrieben gelagert wurden, ausgetauscht werden.
Wir ersuchen Sie dringend, sich, zum Schutz der Müllheimer Bevölkerung, bei der Landesregierung dafür einzusetzen, dass die neuen Jodtabletten an alle Bürgerinnen und Bürger verteilt und nicht wie bisher in öffentlichen Einrichtung gelagert werden, wo sie dann im „Ernstfall“ nicht rechtzeitig verteilt werden könnten.
Jodtabletten sind keine Strahlenschutzpillen. Im Falle eines Unfalls, bei dem radioaktive Substanzen freigesetzt werden, kann aber bei rechtzeitiger Einnahme die Schilddrüse mit Jod gesättigt und dadurch die Aufnahme von radiaktivem Jod und dessen Anreicherung in der Schilddrüse verhindert bzw. minimiert werden. Die Einnahme von Jod muss deshalb auch möglichst vor Eintreffen der radioaktiven Wolke erfolgen oder innerhalb von maximal 2 Stunden danach. Daraus ergibt sich die klare Notwendigkeit, dass die Jodtabletten an die Bürger direkt verteilt werden müssen. Denn, wenn die Menschen im „Ernstfall“ erst ihre Jodtabletten in öffentlichen Einrichtungen abholen müssten, könnten diese nicht mehr rechtzeitig eingenommen werden und Panik und Chaos wären bereits vorprogrammiert.
Die Verteilung oder dezentrale Lagerung der Jodtabletten im Umkreis von 25 km um eine kerntechnische Anlage liegt im Aufgabenbereich der Länder. Nach einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) sollen in der 5 km-Zone um ein Atomkraftwerk die Tabletten direkt an die Bevölkerung verteilt werden, in der 5-10 km-Zone wird dies empfohlen. Darüber hinaus, bis zu 25 km Entfernung, wird die dezentrale Lagerung in öffentlichen Einrichtungen empfohlen. Wie oben dargelegt, können aber die Jodtabletten nur dann einen relativen Schutz bieten, wenn die Menschen sie auch gleich zur Hand haben, wenn sie gebraucht werden. Die Empfehlung der SSK ist dafür aber unzureichend und in der Praxis kaum handhabbar.
Ein weiteres Problem sehen wir darin, dass innerhalb der 25 km-Zone Jodtabletten nur an Menschen unter 45 Jahren abgegeben werden sollen, da das Risiko durch die Jodeinnahme größer sei als das Strahlenkrebsrisiko. Laut IPPNW sei es aber möglich, Risikopatienten herauszufiltern. Für diesen Personenkreis käme dann ein anderes Medikament in Frage. Die Altersbegrenzung ist also nicht nachvollziehbar. Ein gut verständlicher Beipackzettel kann auf die Risiken hinweisen. Es sollte aber jedem Einzelnen selbst überlassen werden, ob er bzw. sie im Falle eines Unfalls die Jodtabletten einnimmt oder lieber das radioaktive Jod einatmet. Außerhalb der 25 km –Zone sind Jodtabletten nur noch für Risikogruppen, wie Schwangere, Stillende und Jugendliche vorgesehen.
Wir sind der Meinung, dass die Jodtabletten aus den genannten Gründen flächendeckend direkt an die Bevölkerung zu verteilen sind und hoffen, dass Sie sich unserer Argumentation anschließen können und Sie sich auch bei der Landesregierung in diesem Sinne einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Dora Pfeifer-Suger gez. Reinhard Winkler