Erklärung zum
Abstimmungsverhalten nach § 31 GO BT
Erklärung
nach § 31 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages zu dem Antrag der
Bundesregierung auf Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutsche
Streitkräfte an dem Einsatz der internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe
in Afghanistan (International Security assistance Force, ISAF) unter Führung der NATO auf der
Grundlage der Resolutionen 1386 (2001) und folgender Resolutionen, zuletzt
1833 (2008) des Sicherheitsrates der
Vereinten Nationen: Den Antrag der Deutschen Bundesregierung
auf Fortsetzung der Beteiligung der Bundeswehr an der internationalen
Sicherheitsunterstützungstruppe lehnen wir ab. Die
Sicherheitslage in Afghanistan wird von Jahr zu Jahr schlechter. Die Zahl der
Opfer bei Anschlägen und beim Anti-Terrorkrieg steigt dramatisch. Im Jahr
2008 sind bisher über 3000 Menschen getötet worden, dabei mehr als 1000
Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Tausende wurden verwundet und
verstümmelt. Fast die Hälfte der zivilen Opfer fällt der US-Luftkriegsführung
zum Opfer. ACBAR, eine Dachorganisation von 100 Hilfsorganisationen gibt an,
dass der Sommer 2008 der bisher verlustreichste war seit 2001. Die
Zerstörungen von Gebäuden und Versorgungseinrichtungen übersteigen häufig den
Wiederaufbau. Der
Krieg wurde vor sieben Jahren begonnen, um die Verantwortlichen für die
Anschläge vom 11.9. in den USA der Gerechtigkeit zuzuführen, so die
UN-Resolution vom Herbst 2001. Sie rechtfertigt nicht einen Krieg gegen die
Taliban für einen Regimewechsel oder zur Aufstands- und Widerstandsbekämpfung
in Afghanistan. Seit Jahren zielt jedoch die militärische Gewalt der
ausländischen Truppen auf die Vernichtung der Taliban und des Widerstandes im
Land. Die Ergebnisse dieser Strategie sind verheerend. Die rücksichtslose
Anti-Terrorbekämpfung vor allem der US Truppen schürt und legitimiert
Racheakte und Anschläge, sie sind nicht nur unverantwortlich, sondern auch
kontraproduktiv. Dementsprechend hat sich die Sicherheitslage seit 2004
nochmals deutlich verschlechtert, obwohl seit Beginn des Krieges die Zahl der
eingesetzten Nato-Soldaten auf ca. 65 000 deutlich angehoben wurde. Ein
Ende der Eskalation des Krieges ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Gerade
auch als Folge der Eskalation und Kriegführung werden diejenigen, die bekämpft
werden sollen, immer stärker. Die zunehmende Gewalt des Krieges ist die
Hauptursache dafür, dass der Hass gegen die ausländischen Truppen wächst und
sich immer mehr am Krieg gegen diese beteiligen. Politische und humanitäre
Ziele werden unerreichbar. Der britische Botschafter Cowper-Coles
hat leider Recht, wenn er sagt, die ausländischen Truppen in Afghanistan seien
„Teil des Problems, nicht der Lösung.“ Die Gewaltspirale kann aber durch
immer mehr Soldaten/innen und militärische Mittel nicht durchbrochen werden.
Gerade asymmetrische Kriege können militärisch nicht gewonnen werden. Es
ist aus unserer Sicht unklug und unverantwortlich, einfach so weiterzumachen.
Überfällig ist es, eine Alternative zur Eskalation der Gewalt zu entwickeln.
Notwendig ist ein verantwortbarer militärischer Rückzug in kalkulierten
Schritten. Doch alle Forderungen nach einem Strategiewechsel sind ohne
Umsetzung geblieben, im Gegenteil, die Bundesregierung will das deutsche
Truppenkontingent nur erhöhen. Trotz gegenteiliger Behauptungen bleiben die
zivilen Anstrengungen weit hinter den militärischen zurück. Während nicht
einmal die zugesagten 50 Polizeiausbilder nach Afghanistan geschickt werden,
wird die Zahl der Soldaten/innen von 3500 auf 4500 erhöht. Die Kosten alleine
dieses Mandates für 14 Monate betragen 688 Millionen, während die Ausgaben
für den zivilen Aufbau gerade mal etwa
ein Viertel davon ausmachen. Wir
halten fest: Die bisherige Strategie ist gescheitert, sie schadet und
verschärft den Krieg. Ein Wechsel der Strategie – weg vom Militärischen, hin
zum Zivilen - ist nicht in Sicht. Deshalb
lehnen wir den Antrag der Bundesregierung ab. Winfried
Hermann Sylvia
Kotting-Uhl Monika
Lazar Peter
Hettlich Hans-Christian Ströbele |